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Rundgang durch die Wachtenburg

Rundgang durch die Wachtenburg


(Klicken sie auf die Fotos um diese zu vergrößern)

 

1. Wir beginnen unseren Rundgang auf dem heutigen Parkplatz vor der Wachtenburg. Hier befand sich der so genannte Halsgraben, der die Burg vor Angreifern schützen sollte. Er war bis zu 12 m breit und 7 m bis 8 m tief, so dass es nicht möglich war Leitern oder Rammgeräte direkt an die Burgmauer anzulehnen.

 

2. Das Burgtor und der sich dahinter befindende Haupteingang konnten nur über eine Zugbrücke erreicht werden. Den vorderen Teil des Halsgrabens überspannte eine feststehende Holzbrücke.
Die Lager für die Torflügel sind noch heute im Sandstein zu erkennen und bezeugen, dass der Haupteingang durch zwei aufeinander folgende Tore gesichert war.
Das angrenzende Torhaus war zweigeschossig und verfügte über eigene Schießscharten.

 

3. Nach dem Haupttor gelangt man in den Zwinger. Einen mit hohen, von Wehrgängen bekrönten Mauern umschlossenen Bereich, den jeder Besucher gezwungen war zu durchqueren, um in die eigentliche Burg zu kommen. Nächtliche Eindringlinge trafen hier nicht selten auf freilaufende Hunde. Ein weiteres Tor, von dem noch eine Schießscharte sichtbar ist, führte schließlich aus dem Zwinger in den alten Burghof.

 

4. Der heutige Besucher gelängt über eine neuere Treppe in den alten Burghof. Hier befindet sich eine Zisterne, die den Bewohnern erlaubte eine kurzzeitige Belagerung zu überstehen.

 

5. Der alte Palas, das Wohnhaus des Burgvogtes und seiner Familie, befand sich ungefähr dort, wo heute die Burgschänke steht. Mittelpunkt dieses, zwei- bis dreigeschossigen Hauses war, wie erhaltene Beispiele zeigen, der Rittersaal. Ein großer, beheizbarer Raum, in dem sich das gesellschaftliche Leben der Burgbewohner abspielte. Die dem Burghof zugewandte Seite des Palas darf man sich sicherlich mit mehreren Fenstern vorstellen, während die Außenwand aus Sicherheitsgründen ganz ohne, oder nur im oberen Stockwerk mit Fenstern versehen war. Die Außenseite des Palas war ein Teil der so genannten Mantelmauer und diente dem Schutz der Burg, hier waren nur Schießscharten erwünscht.
Die Unterkünfte für Knechte und Mägde sind ebenfalls innerhalb der Mantelmauer zu suchen. Da sie häufig aus Holz errichtet wurden, haben sie keine sichtbaren Spuren hinterlassen.

 

6. Das Wahrzeichen der Wachtenburg ist der, mit seinen 22 m alles überragende Bergfried. Während er den heutigen Besuchern einen phantastischen Fernblick bis in den Odenwald erlaubt, diente er den Burgbewohnern als "Auslug", um nahende Angreifer frühzeitig zu erkennen und das Haupttor zu schützen. Im Falle eines Angriffes konnten sich die Burgbewohner in den Turm zurück ziehen. Der ursprüngliche Eingang lag in ca. 4 m Höhe auf der Südseite und war nur über eine Leiter zu erreichen. Von der alten Holztreppe des Turmes, die im Inneren auf die Plattform geführt hat, ist nichts mehr zu erkennen. Die heutige Stahltreppe wurde von den damaligen Besitzern, der Familie Bürklin-Wolf, um 1900 in den Turm eingebaut. Das Burgverlies, ohne das man sich keine Burg vorstellen mag, lag vermutlich unter dem alten Eingang. Den oberen Abschluss des Bergfriedes bildete eine hölzerne Plattform mit aufgesetztem Dach. Die Zerstörung des Bergfriedes geht auf das Jahr 1689 durch französische Truppen zurück.
 

 

7. Mit dem Bergfried wurde auch ein Großteil der Schildmauer zerstört. Sie schirmte die "Kernburg" (alter Palas) vor Angreifern und deren Wurfgeschossen ab. Ihre ursprüngliche Höhe betrug ca. 15 m plus einem hölzernen Wehrgang. Die Mauer selber war 2,5 m stark und 35 m lang.

 

8. Im 13. und 14. Jh. Wurde das Gelände der Wachtenburg erweitert. Um das hinzugefügte Areal zu schützen, wurde eine Ringmauer mit Flankierungstürmen errichtet. Die Böden, Treppen und Dachkonstruktionen der Türme waren aus Holz; von Ihnen ist nichts mehr erhalten. Gut erhalten bzw. restauriert sind hingegen die Türme und die Ringmauer mir ihren zahlreichen Schießscharten. Diese Flankierungs- oder auch Halbschalentürme genannt, waren zur Burgseite hin offen, so dass Angreifer, denen ein Einstieg gelungen war, sich nicht festsetzten konnten.

   

 

9. Innerhalb der Ringmauer wurde eine neuer Palas errichtet, von dem heute noch die, dem neuen Burghof zugewandte Seite zu sehen ist. Durch den ursprünglichen Eingang betreten wir heute eine Wiese, unter der Keller- und Lagerräume vermutet werden. Während die Lage der rückseitigen Wand noch unklar ist, konnte der Verlauf der Seitenwände durch eine kleine Grabung geklärt werden.
Der neue Palas war 2-3 geschossig und, da er durch eine   Ringmauer geschützt war, sicherlich auch fensterreich. Zahlreiche Kachelfragmente, die bei Grabungen in diesem Bereich zu Tage kamen, zeugen von der Existenz eines grünen, reich verzierten Kachelofens, der sich im Rittersaal befand.
Der neue Burghof, der dem Palas vorgelagert war, beherbergte aus Holz errichtete Stallungen und Verschläge.
 

 

10. Die letzte große Erweiterung der Wachtenburg war die Errichtung der so genannten Unterburg. Ein ca. 4000 qm großes Areal wurde mit einer im Schnitt 11 m hohen und 1,5 m starken Mauer umfasst. Hier lagerten in Friedenszeiten Zollabgaben, während im Notfall die Bürger der Stadt hier Zuflucht suchten.

 

 

     
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